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Kultur und Bildung

13.12.2016 - Artikel

Stand: Februar 2018

Bildung

Die Bildungspolitik gehört zu den größten Herausforderungen für den guineischen Staat. Die Schulpolitik ist angesichts der hohen Analphabetenrate (circa 65 Prozent der erwachsenen Bevölkerung) auf eine Erhöhung der Schülerzahlen und auf eine Verbesserung der Unterrichtsqualität ausgerichtet. Die Staatsausgaben für Bildung liegen unter den durchschnittlichen Ausgaben für Bildung in anderen afrikanischen Staaten; eine kontinuierliche Steigerung mit zusätzlichen Investitionen in den Schulbau und die Einstellung von Lehrkräften ist für die nächsten Jahre vorgesehen. Bisher ist nicht einmal für jedes Kind die Grundbildung von sechs Schuljahren landesweit gesichert. Dies gilt umso mehr für die Plätze an weiterführenden Schulen bzw. an Berufsbildungseinrichtungen.

Das Ausbildungsniveau an den öffentlichen Universitäten des Landes ist gleichfalls niedrig. Die indirekte Förderung von Privatuniversitäten (durch staatliche Pauschalsubventionen pro Student) hat aufgrund mangelnder Fachaufsicht nur gemischte Erfolge gebracht. Weiterhin streben viele Guineer ein Studium im Ausland an, zunehmend auch in Deutschland.

Selbst bei abgeschlossener Ausbildung bleibt die Perspektive der Absolventen für den Arbeitsmarkt getrübt: Während Studienabgänger früher quasi automatisch in den Staatsdienst übernommen wurden, sind heute viele arbeitslos. Die schwach entwickelte Privatwirtschaft bietet nur Wenigen eine Alternative. Entsprechendes gilt für Berufsbildungsabsolventen, wobei allerdings qualifizierte Facharbeiter und Handwerker überall gesucht werden.

Kultur

Die guineische Gesellschaft ist gleichermaßen von ihren afrikanischen Traditionen wie vom Islam geprägt und lebt eine große Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Die ethnische Diversität des Landes impliziert ein vielfältiges kulturelles Erbe. Berühmt ist Guinea insbesondere für Tanz (Gründung der ersten afrikanischen Tanzgruppe mit internationaler Wirkung "Les Ballets Africains" 1950 durch Fodeba Keita), für Akrobatik (viele Künstler des Musikfestivals Afrika ! Afrika ! stammen aus Guinea) und Kunsthandwerk, zum Beispiel in Form von indigofarbenen Tischdecken und Kleidungsstücken. Zudem hat das Land eine große Musik-Tradition. Die speziellen Rhythmen guineischer Percussions-Instrumente haben Guinea zu einem Pilgerort für Trommler aus der ganzen Welt gemacht.

Der UNESCO-Titel „Conakry – Welthauptstadt des Buches“ 2017-2018 hat die internationale Aufmerksamkeit auf die Bedeutung Guineas für die Literatur gelenkt. Werke des bekanntesten Schriftstellers des Landes, Laye Camara ("L’Enfant Noir" / "Einer aus Kouroussa"), liegen auch in deutscher Übersetzung vor. Gleiches gilt für den heute wichtigsten guineischen Schriftsteller, Tierno Monenembo (Prix Renaudot 2008, Grand Prix de la Francophonie 2017); zuletzt: „Les coqs cubains chantent à minuit“ / „Kubas Hähne krähen um Mitternacht“  

Medien

Die Medienlandschaft Guineas ist wie in ganz Afrika im Umbruch. Wichtigstes Medium bleibt aber noch - auch angesichts der hohen Analphabetenrate - das Radio. Neben dem öffentlichen, regierungsgelenkten Rundfunk der RTG (Radio Television Guinéenne) gibt es seit 2006 eine ganze Reihe von teilweise populären privaten Radiosendern, vor allem in der Hauptstadt Conakry. Auch das frühere Fernsehmonopol von RTG ist mittlerweile von mehreren privaten TV-Stationen durchbrochen. Die Ausstrahlung bleibt jedoch noch auf die Hauptstadtregion und einzelne Orte im Landesinnern beschränkt.

Deutlich zurückgegangen ist die Bedeutung der Schriftpresse. Neben der einzigen (und staatlichen) Tageszeitung "Horoya" existiert zwar nach wie vor eine ganze Reihe von unregelmäßig erscheinenden und auflagenschwachen Zeitungen. Hinzu kommen einzelne Hochglanz-Zeitschriften mit Berichterstattung vor allem über das gesellschaftliche Leben, Mode und Lebensart. Die aktuelle Berichterstattung von Medienredaktionen verlegt sich aber mehr und mehr in das Internet. Mehrere Dutzend Websites informieren über Ereignisse – dank der Mobilfunk-Abdeckung zunehmend auch aus abgelegenen Gebieten Guineas – und publizieren Kommentare. Diese privaten Medien sind überwiegend, aber nicht ausschließlich regierungskritisch; der Ton ist gelegentlich scharf. Das Hauptproblem der Medien ist allerdings die geringe journalistische Ausbildung und Qualität sowie die mangelnde finanzielle Ausstattung. Zunehmend populär werden daneben soziale Netzwerke, eine Bloggerszene entwickelt sich in der Hauptstadt Conakry.

Die Pressefreiheit ist grundsätzlich gewahrt, Eingriffe durch staatliche Zensur finden nur im Ausnahmefall statt und wurden nach scharfer Kritik der Zivilgesellschaft wieder zurückgenommen.

Die technischen Voraussetzungen für die Verbreitung der neuen Medien verbessern sich laufend. Die Mobilfunk-Abdeckung erfasst jetzt alle Gebiete mit höherer Bevölkerungsdichte. 2015 wurde mit einem chinesischen Partner die Einrichtung eines landesweiten Glasfaser-Netzwerks gestartet.

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